Rhönbrief April 2020

Liebe Freunde

„Seid stille und erkennet, dass ich der Herr bin!“ Dieser Vers aus Psalm 46 spricht auf einmal tief in unsere Herzen. Die so unerwartete Situation, die plötzliche Stille, keine Gottesdienste mit tatsächlicher Begegnung. Ein Osterfest so ganz anders als erwartet und gewohnt.

Wir sind berührt, wie Gott uns trägt, führt und Menschen zur Seite stellt, die mit ihrem Fachwissen gut beraten. Aber immer wieder berührt uns dieser Vers „Seid stille…“. Wie oft haben wir uns genau diese Stille gewünscht, Stille, die im Arbeitsalltag oft zu kurz kommt. Stille, um zu hören, Stille, um Gott zu begegnen.

Im Frühjahr vor einem Jahr haben wir dankbar über die Aktion der Kirche „Stille erleben“ im Rhönbrief berichtet. Uns liegt es auch immer noch auf dem Herzen, Menschen in der Stille Begegnung mit Gott zu ermöglichen. Ist der Bedarf noch da? Überfordert uns die plötzliche Stille? Schaffen wir es, die geschenkte Zeit zu nutzen?

Das hebräische Wort, das hier mit „seid stille“ übersetzt worden ist, bedeutet in diesem Zusammenhang „loslassen“ oder „nichts tun“. Das heißt, für eine gewisse Zeit alle Aktivitäten und auch alles Reden einstellen. Die Elberfelder Bibel übersetzt hier „lasst ab“ statt „seid still“.

Um Gott zu erkennen braucht es Stille, Innehalten, Besinnen, Einkehr. In der Stille will Gott uns in seinem Wort begegnen. Nun sind wir in der Situation, dass eine äußerlich große Stille über unserem Land liegt. Auf was lenken wir unseren Blick? Schauen wir nach dem, was uns vermeintlich alles fehlt oder liegt unser Blick auf der Dankbarkeit, wo wir in allem, was uns herausfordert, doch reich beschenkt bleiben.

Wir sind von Herzen dankbar, dass wir in unserer Gegend so bewahrt sind. Der ländliche Raum schenkt eine große Freiheit. Wir können spazieren gehen, ohne jemandem zu begegnen.

Dankbar sind wir auch für unsere häusliche Gemeinschaft. Wir können innerhalb unserer Gemeinschaft Gottesdienste feiern, wir treffen uns dreimal am Tag zu Tageszeitgebeten. „Ora et labora“, bete und arbeite, füllt sich mit ganz anderem Leben.

Gott begegnet uns in der Stille der Tageszeitgebete und in der Stille der Arbeit. Dabei ist Arbeit und Gebet eigentlich nicht zu trennen. Im lateinischen Wort für Arbeit findet sich das Wort für Gebet wieder. So ist auch unser gemeinsames Arbeiten, wenn auch zurzeit ohne geöffneten Gästebetrieb, Gottesdienst.

Wir dürfen erleben, wie er uns von innen heraus erneuert und erfrischt und wie er unseren Glauben stärkt. Wir bieten seit 2012 zweimal im Jahr Glaubenskurse von „Stufen des Lebens“ bei uns an. Auch jetzt waren wir mitten in einem Kurs mit dem Thema: „Bo(o)tschaften, die ins Leben fallen“. In der nächsten Einheit wäre es um die Geschichte der Sturmstillung aus Markus 4,35-41 gegangen. Der Zielgedanke dieser Einheit ist „Seid stille und erkennet, dass ich der Herr bin“. Die Verbindung zwischen der Sturmstillung und dem Vers „Seid stille..“ hat uns in der jetzigen Situation sehr beschäftigt.

Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andre Ufer fahren. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind! (Markus 4,35-41)

Die Herausforderungen und der Sturm sind groß, wenn wir auf unsere Finanzen und auf die Gefahren sehen, in denen wir jetzt leben. Weil wir noch keinen Weg erkennen können, haben wir Angst wie die Jünger damals im Boot mit Jesus.

Jesus hat damals seine Jünger aus dem Sturm in die Stille geschickt. Ich denke, dass er auch uns in dieser Situation, in diesem Sturm in die Stille führen möchte. Es geht um das Vertrauen und den Glauben an Ihn und um sein Wort. Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch Glauben? Die Fragen galten nicht nur den Jüngern damals. Diese Fragen sind ganz aktuell auch von uns zu beantworten.

In Johannes 16,33 sagt Jesus „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“.

Wir halten uns genau an diesen Zusagen fest! Dankbar vertrauen wir darauf, dass wir es mit einem lebendigen Gott zu tun haben. Was für eine Gnade!

Aufgrund der Veranstaltungsverbote und Betriebsuntersagungen, die anlässlich der Corona-Pandemie durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege verfügt wurden, haben wir unser Haus seit dem 16. März geschlossen. Wann wir wieder öffnen dürfen und unter welchen Umständen bzw. Auflagen, wissen wir nicht. Diese Frage hängt sehr stark von dem Verlauf der Corona-Pandemie und den Entscheidungen der Politiker ab.

Deshalb haben auch wir versucht, Kosten zu reduzieren, Anträge auf Hilfen und Stundung gestellt und unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Unser Jahresteam (Mitarbeiter, die bei uns ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst leisten) und alle Mitarbeiter, die einen Minijob machen, können wir nicht in Kurzarbeit schicken. Viele der laufenden monatlichen Kosten müssen wir trotz aller Sparsamkeit aufbringen ohne dass wir Einnahmen haben.

Die beantragte Soforthilfe ist noch nicht angekommen, so dass wir momentan auf Ihre Unterstützung angewiesen sind, um die Arbeit hier in der Rhön weiterführen zu können. Wir haben jeden Monat ca. 60.000 Euro laufende Kosten. Das ist ohne Einnahmen nicht zu bewältigen. Wir wissen, dass es vielen ähnlich geht. Jeder ist auf Hilfe angewiesen oder muss wegen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit mit seinem Geld haushalten.

Trotzdem möchten wir mutig sein und eine Idee weitergeben. Wahrscheinlich hat keiner unserer Rhönbriefleser die Möglichkeit, 60.000 Euro zu spenden. Aber diese Ausgabe geht an 2500 Adressen. Wenn wir den Betrag durch die Anzahl der Adressen teilen, würde das bedeuten, dass jeder, der einen Brief bekommt, 24 Euro im Monat spenden könnte und damit würde die für uns unüberschaubare Summe von 60.000 Euro zusammen kommen. Vielleicht ermutigt sie der Gedanke. Für uns wäre es ein ganz großes Geschenk.

Wir wissen nicht, wann wir wieder öffnen dürfen. Wir möchten aber weiter planen, weiter denken und freuen uns schon heute darauf, wenn wir wieder missionarisch arbeiten dürfen.

Es fühlt sich unheimlich an, wenn alles so ruhig und so leer ist. Wir vermissen unsere Gäste sehr und hoffen, dass wir bald wieder Gastfreundschaft leben dürfen!

Wir möchten DANKE sagen für alle Hilfe, die wir bereits erfahren haben. Stärkende Briefe, Karten, Emails und Telefonate und Gebetsunterstützung aus der ganzen Welt! Dankbar schauen wir auch auf die finanzielle Unterstützung, die wir bereits erfahren haben.

In der Hoffnung, dass wir im Sommer wieder Gäste begrüßen dürfen, möchten wir auf einige Veranstaltungen in der zweiten Jahreshälfte hinweisen. Auch Einzelgäste sind herzlich willkommen!

Wir freuen uns auf die Begegnung miteinander und grüßen in tiefer Verbundenheit aus Haselbach!

Anke und Stefan Schroth