Ich bin, der ich bin

aus einer Predigt von Torsten Hebel beim Missio-Camp 2025

In diesem Jahr fand das Missio Camp unter dem Thema: „Ich bin, der ich bin!“ statt. Wir wurden reich beschenkt durch die Impulse der verschiedenen Referenten, Themen, Konzerte und Gottesdienste.
Dankbar sind wir auch für die viele ehrenamtliche Unterstützung in den einzelnen Campbereichen. Nur mit dieser Unterstützung ist es überhaupt möglich, dass das Missio Camp sein kann.
Ein paar Gedanken aus einer Predigt von Torsten Hebel haben wir zusammengefasst und möchten sie als Stärkung und Ermutigung weitergeben.

Ich bin, der ich bin.

2. Mose 3,14

Torsten Hebel begann seine Predigt mit einem persönlichen Rückblick auf seinen ersten Besuch beim Missio Camp im Jahr 2005. Seitdem sei viel Zeit vergangen, „man wird älter, grauer, dicker“, sagt er schmunzelnd – doch ein Thema habe ihn über all die Jahre begleitet: Gottes Name „Ich bin, der ich bin“. Dieses biblische Wort sei für ihn nicht nur ein theologischer Begriff, sondern eine tiefe Lebensbotschaft.

Er erzählt von Gesprächen mit einem Rabbi aus Leipzig, der ihm erklärte, dass der Name „Jahwe“ im Judentum nicht nur heilig sei, sondern auch den Atemvorgang beschreibe: Einatmen – „Jah“, Ausatmen – „we“. Jeder Mensch spreche mit jedem Atemzug unbewusst den Namen Gottes. Damit werde deutlich:

Gott ist das Leben selbst.

Zudem hätten die hebräischen Buchstaben Zahlenwerte, die weitere Bedeutungen enthüllen. Beim Namen Jahwe ergebe die Kombination zweier Zahlenwerte das Wort „Liebe“. Gott offenbart sich also nicht nur als „Ich bin“, sondern als präsente Liebe, als die Gegenwart, die trägt, hält und heilt.

"Jah" - "we"

Einatmen und Ausatmen

Anschließend holt er den Lebensweg von Mose in Erinnerung. Mose wuchs privilegiert am Hof des Pharaos auf, top ausgebildet und mit einer verheißungsvollen Zukunft. Doch dann tötete er im Affekt einen Ägypter, der einen Israeliten misshandelte. Ein Fehler, der sein Leben radikal veränderte. Mose musste fliehen, brach mit seiner Vergangenheit, begann neu – in einfachsten Verhältnissen.

40 Jahre wanderte Mose als Hirte mit den Herden seines Schwiegervaters durch die Wüste – immer im Kreis, immer wieder der gleiche Weg. Ein Bild für ein Leben, das sich im Kreis dreht, für Stagnation, für innere Dunkelheit und Zweifel. Mose, der einst große Träume hatte, war auf die Rolle eines Hirten reduziert. Und vielleicht kann jeder im Publikum etwas davon nachempfinden: das Gefühl, im Leben festzustecken, enttäuscht zu sein, überfordert oder frustriert.
Doch Gott habe „einen Hang zur Dramaturgie“. Genau in solchen Momenten, wenn man glaubt, dass es nicht mehr weitergeht, komme Gott ins Spiel. Bei Mose geschah das mit einem brennenden Dornbusch.
Gott rief Mose beim Namen, ließ ihn seine Schuhe ausziehen – ein heiliger Moment, ein Kairos-Moment, ein göttlicher Eingriff in die Lebensgeschichte eines Menschen, die längst abgeschlossen schien.
Mose soll Israel aus Ägypten führen. Und Mose reagiert wie viele von uns: mit Ausreden, Zweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen. „Ich kann nicht reden“, „die werden mir nicht glauben“, „ich bin nicht der Richtige“. Doch Gott bleibt dabei: „Doch – du bist genau der Richtige.“

Dann kommt die Schlüsselszene, die Torsten Hebel selbst als ein Wendepunkt in seinem Leben beschreibt: „Was hast du in deiner Hand?“, fragt Gott den Mose. Die Frage scheint seltsam – denn Gott weiß selbstverständlich, was Mose in seiner Hand hält. Ein Hirtenstab. Sein Arbeitswerkzeug. Sein Identitätszeichen. „Was bist du?“ – „Ich bin Hirte.“ Doch Gott zeigt Mose:

Du bist nicht das, was du tust. Und du bist nicht das, was du hast.

Gott fordert Mose auf, den Stab loszulassen – ein Symbol dafür, alles loszulassen, worüber er sich bislang definiert hat.
Als der Stab zu Boden fällt, wird er zur Schlange. Die Schlange die das Zeichen des Pharaos war. Mose blickt damit mitten in seine Vergangenheit – in seine größte Schuld, seinen größten Schmerz. Gott zwingt Mose, nicht länger wegzulaufen. Er soll die Schlange beim Schwanz packen – dort, wo es gefährlich ist, dort, wo sie noch zubeißen könnte. Ein Bild dafür, sich der eigenen Geschichte mutig zu stellen.
Mose gehorcht – und die Schlange wird wieder zum Stab. Doch nun heißt es in der Bibel plötzlich: Es ist der Stab Gottes.
Was du loslässt, was Gott verwandeln darf, was du anschaust und nicht länger verdrängst – genau darin liegt später deine Kraft. Gott benutzt Moses Vergangenheit nicht gegen ihn, sondern macht sie zum Werkzeug für Wunder.

"Gott hat einen Hang zur Dramaturgie"

Dann erzählt Torsten Hebel sehr offen von seiner eigenen Biografie. Er sei in einer dysfunktionalen Familie großgeworden, nicht erwünscht, verletzt, traumatisiert. Vieles davon habe er erst spät therapeutisch aufgearbeitet. Lange habe er versucht, vor dieser Vergangenheit wegzulaufen – durch Aktivität, Erfolg, Predigten, Projekte. Am Ende führte dieser Weg in eine tiefe Krise, in den Verlust seines Glaubens, in Depression.
Doch rückblickend erkenne er: Genau dieser Schmerz wurde zum Ausgangspunkt einer Berufung. Seine größte Wunde – das Gefühl, verloren und ungeliebt zu sein – wurde zur Motivation, für verlorene und verletzte Kinder und Jugendliche da zu sein. So entstand die „blue:boks“ in Berlin, ein Ort für junge Menschen, die Hilfe und Heimat suchen, und später der „Freihafen“, ein Haus für Menschen in Krisen, Zweifel oder Erschöpfung.

Gott kann aus dem größten Schmerz das größte Geschenk machen.

 

Ein Bild aus der Kunst verdeutlicht diese Hoffnung: ein Gemälde, auf dem der Teufel und ein Mensch Schach spielen. Es scheint, als habe der Mensch verloren. Der Titel des Bildes: „Der Sieg“. Doch Schachweltmeister Garri Kasparow habe beim Anblick des Bildes gesagt: „Der König hat noch einen Zug.“
Die Botschaft für uns heute: Auch wenn alles verloren aussieht – Gott hat den letzten Zug in deinem Leben. Nicht die Vergangenheit, nicht die Angst, nicht die Schuld bestimmen das Ende deiner Geschichte, sondern Gott.

"Der König hat noch einen Zug."

Zum Ende der Predigt ruft Torsten Hebel alle Anwesenden dazu auf, sich ihrer eigenen Geschichte zu stellen. Nicht länger wegzulaufen vor Verletzung, Angst, Schuld, Dunkelheit. Denn dort – genau dort – könne Gott uns begegnen. Vielleicht während des Lobpreises, eines Gesprächs, eines Spaziergangs – vielleicht an einem einzigen Kairos-Moment während dieser Woche.
„Der ‚Ich bin, der ich bin‘ – die präsente Liebe – weiß genau, wie er dich findet.“ Und wenn er es tut, dann spürt man es – und soll darauf antworten.
Torsten Hebel schließt mit einem Gebet für uns, in dem er Gott bittet, jedem Menschen eine neue Sicht auf sich selbst und auf seine Identität zu schenken. Dass der Name Gottes – „Ich bin, der ich bin“ – Realität im Leben von uns wird: ein Gott, der sieht, liebt, ruft und verwandelt.
Gottes Zusage gilt auch uns heute:

Ich bin, der ich bin.

Torsten Hebel ist Gründer und langjähriger Leiter der blu:boks BERLIN, einer sozial-kulturellen Kinder und Jugendarbeit in Berlin. Außerdem ist er bekannt als Autor, Coach und Sprecher auf verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum.

 

Diese Predigt und auch alle anderen vom Missio-Camp können auf unserem Youtube Kanal unter – www.youtube.com/user/missiocamp/live – angehört werden.